Emotionen lassen sich nicht vermarkten!

Red Bull/RasenBallsport (RB) Leipzig hat es in die erste Bundesliga geschafft. Was ist das für ein Verein und wieso gibt es so große Kritik daran? Hierzu haben wir euch ein paar Infos zusammengetragen.

Wusstest du eigentlich, dass…

Getränk

… Dietrich Mateschitz (Chef von Red Bull) den Energy-Drink nicht erfunden hat, sondern lediglich 1984 die Lizenzrechte an einem thailändischen Getränk erwarb?

… eine Dose RB gerade mal 10 Cent in der Produktion kostet?

… keiner der Inhaltsstoffe wie Taurin leistungssteigernd wirkt?

… ein Amerikaner in einer Klage durch einen Vergleich dadurch 13 Millionen USD erlangte?

… auf dem Startbildschirm der RB-Homepage nicht einmal das Getränk erwähnt wird?

Unternehmen

… RB einen Großteil der Einnahmen durch die Pflege der Marke und dessen Wertsteigerung und nicht durch den Verkauf von Energy-Drinks generiert?

… ein Drittel aller Einnahmen in den Vertrieb fließen? (Vergleich: Bei Coca Cola sind es ca. 7 %)

… mehrere ExtremsportlerInnen, die bei RB unter Vertrag standen, in den letzten Jahren tödlich verunglückt sind?

… der Baumgartner-Rekord 2012, ein Sprung aus 39.000m Höhe, im Marketing 50 Millionen Euro kostete und durch klassische Berichterstattung schon nach drei Tagen einen Marketingwert von 6 Milliarden Euro einbrachte?

… dieser Rekord vom 57-jährigen Alan Eustace aus 41.000m Höhe im Rahmen eines Forschungsprojektes fernab der Öffentlichkeit gebrochen wurde?

Fußball

… Vereine aus Salzburg, New York, Ghana und Brasilien den vollständigen Firmennamen im Vereinsnamen tragen?

… DFB-Statuten den Wechsel des Vereinsnamensnamens zugunsten eines Firmennamens verbieten?

… für die Teilnahme am Fußballbetrieb in Deutschland formal weiterhin der uneigennützige, gemeinnützige Verein vorausgesetzt wird?

… Fans von Austria Salzburg nach der Übernahme von RB ihren Verein neu gründeten und innerhalb von 10 Jahren von der untersten in die zweithöchste Liga aufgestiegen sind?

RB Leipzig

… der sächsische Fußballverband die Übernahme des SSV Markranstädt in der Oberliga durch RB genehmigte, obwohl dessen Regularien „[d]ie Neugebung […] von Vereinszeichen zum Zwecke der Werbung“ als unzulässig erklärt? (zur Erinnerung: Das Logo des Konstrukts wird durch zwei Stiere geschmückt und der Vereinsname enthält die Initialen „RB“)

… Helmut Sandrock, ehemaliger Geschäftsführer von RBL, von 2012 bis 2016 Generalsekretär des DFB (höchster Hauptamtlicher im DFB-Präsidium und stimmberechtigtes Mitglied) war?

… Bremen-Fan Ulrich Wolter seinen Posten als Geschäftsführer der DFB-Wirtschaftsdienste GmbH für seinen aktuellen Posten im RBL-Vorstand räumte und mit den Worten „gute Verbindungen sind nie abträglich“ kommentierte?

… Dietmar Beiersdorfer nach seiner Amtszeit als Sportchef beim HSV für mehr als ein Jahr als Sportdirektor („Head of Global Soccer“) für RB tätig und somit für alle von RB geführten Vereine mitverantwortlich war und am Ende seiner Amtszeit sogar das Amt des Vorstandsvorsitzenden bei RBL innehatte, als dieser noch in der Regionalliga spielte?

… RBL in sieben Jahren vier Mal aufgestiegen ist (Oberliga bis 1. Bundesliga)?

Struktur

… die sogenannte „50+1“-Regel des DFL die Stimmenmehrheit (50+1 %) von Investoren bei Vereinen, die ihre Fußballabteilung in eine Kapitalgesellschaft ausgliedern, verhindern soll?

… RBL alle Fußballmannschaften ab der U16-Mannschaft in die „RasenBallsport Leipzig GmbH“ ausgegliedert hat, dessen Gesellschafter zu 99 % die Red Bull GmbH und zu 1 % RBL sind, weil erlaubt ist, dass Investoren die Mehrheit des Kapitals besitzen?

… es trotz der 50+1-Regel und der Lizensierungsordnung der DFL, die zu einer demokratischen Mitbestimmung bei der Wahl der Vereinsführung verpflichtet, gerade einmal 17 stimmberechtigte Vereinsmitglieder gibt, die alle aus dem Unternehmensumfeld von RB stammen?

… es für alle anderen RBL-Fans eine vierteilig gestaffelte Fördermitgliedschaft zur Förderung der Nachwuchsarbeit ohne Stimmrecht gibt, die zwischen 70 und 1000,- Euro im Jahr kostet und als Entschädigung bspw. die Übergabe des Fan-Poloshirts durch den Lieblingsspieler?

… dieses Angebot von gerade einmal 300 Leuten angenommen wurde? (Stand März 2016)

Wettbewerbsverzerrung

… das Talent Marcel Sabitzer im Sommer 2014 von Rapid Wien zu RBL wechselte und dann an RB Salzburg verliehen wurde, um eine Vertragsklausel zu umgehen, die einen Wechsel innerhalb Österreichs aus wettbewerbstechnischen Gründen untersagte?

… ein weiteres Hin- und Herschieben von Spielern im RB-Imperium einfach so möglich ist?

… RB in Österreich den FC Liefering auf Kosten kleinerer Vereine als „Farmteam“ dient, also als Team, in dem Spieler und Trainer in zweithöchster Spielklasse, in der die die Zweite von RB Salzburg nicht spielen darf, ausgebildet werden?

Und beim HSV?

Auch wenn der Vereinszweck des Hamburger Sport-Vereins nicht alleinig ist ein Unternehmen zu vermarkten, geht es auch in der Marketingabteilung darum, die Raute auf dem Markt zu positionieren und dies bestenfalls durch sportliche Erfolge zu erreichen. Gleichzeitig sollen Kampagnen wie #pinkschockt und HSV goes Asia den Marktwert steigern.

Die von den Mitgliedern selbst gewählte Ausgliederung hat Investoren beim HSV weiter die Türen geöffnet. So sprang für Finanzierungen der Vergangenheit immer öfter der Unternehmer und Anteilseigner der HSV Fußball AG Klaus-Michael Kühne ein, der dafür als Gegenleistung mediale Öffentlichkeit sowie Vereinsmitbestimmung erwartet.

Wir sehen diese Entwicklungen kritisch, wenn Vereine sich immer mehr fremdbestimmen lassen. Was bei einem konzerngeführten Klub wie RBL die momentane Spitze des Eisbergs erreicht, finden wir nicht nur bei Leverkusen, Hoffenheim oder Wolfsburg wieder, sondern eben auch beim HSV.

Emotionen lassen sich nicht vermarkten! Gemeinsam das System hinterfragen!

Gegen RB, gegen Kühne – für eine lautstarke Nordtribüne!

Nordtribüne Hamburg